Über die Kollwitzstraße 100

Das Haus Kollwitzstraße 100 in Berlin war lange Zeit eines der letzten Gebäude in der Gegend, in denen relativ preiswertes Wohnen möglich war. Auch mit der allgemeinen Verödung der Umgebung, die nur noch Immobilienhändler irreführend als “Szenebezirk” bezeichnen, blieb das Haus vom Aufwertungsdruck verschont. Kein Wunder, große Teile des Hauses wurden schon zu DDR-Zeiten saniert. Folgende Sanierungen wie der Einbau von Zentralheizungen, ließen keinen Spielraum mehr für zulässige Sanierungen, zumal mit Fördergeldern. Mietsteigerungen und der entsprechende Profit waren so ausgeschlossen. Irgendwann verkaufte allerdings eine Eigentümergemeinschaft das Haus an den ersten internationalen Immobilieninvestor. Das Haus war ein reines Spekulationsobjekt und die Parole hieß, möglichst wenig Geld hineinstecken. Reparaturen mussten mit Hilfe rechtlicher Drohungen durchgesetzt werden, Prozesse verhalfen den Mietern zu ihrem Recht. Nach einer Weile war wohl die gewünschte Wertsteigerung erreicht und das Haus wechselte wieder den Besitzer. Die neue Immobilienheuschrecke sitzt nun nicht mehr in Wien, sondern in Luxemburg. Nur Wochen nach dem Eigentümerwechsel begann der neue Eigentümer, die Larchmont S.à.r.l. sofort mit der Aufwertung. Über Larchmont selbst ist im Internet nichts zu finden. Nur die Luxemburgische Adresse, 23 Rue Aldringen, gibt einen Hinweis: Im Haus ist eine Bank ansässig und ansonsten, nach einer kurzen Google-Suche, für die eher geringe Größe des Hauses auffällig viele andere Unternehmen.

Aus zwei kleinen und dunklen Wohnungen im Seitenflügel sind nun Luxusappartements* geworden. Klein und dunkel sind sie noch immer, nur der Preis liegt mittlerweile bei 15 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Der Vermieter strebt nun die Vertreibung der Restmieterschaft durch Androhung von Luxussanierungen mit entsprechenden extremen Mietsteigerungen an. Juristisch wohl wenig aussichtsreich kann so ein Schritt trotzdem großen Ärger verursachen.

*Nachdem auf Immobilienscout die ersten Fotos veröffentlicht wurden, gilt wohl “Luxus” nur noch für den Preis: Dielenboden – auch in der Küche –, eine nackte Duschtasse im Bad ohne Duschkabine, ein primitiver Heizkörper statt dem mittlerweile üblichen Handtuchwärmer, keine Einbauküche, 2,50 Meter Deckenhöhe und vieles mehr.

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