Besuch aus Kanada

Heute hatten wir Pressebesuch im Haus. Die kanadische CBC interessiert sich für die Wohnungssituation in Berlin, und das Haus Kollwitzstraße 100 stand dabei auch auf der Besuchsliste. Wir werden jetzt wohl in ein Feature eingebettet, das den Mythos vom freien, anarchischen und billigen Berlin relativieren möchte. Dafür hat uns die Radiojournalistin Karen Pauls ein paar Fragen gestellt und sich bei dieser Gelegenheit auch über die bereits angebauten Balkone an den beiden bereits luxussanierten Kleinwohnungen im Seitenflügel gewundert: „Da ist so wenig Platz für einen Balkon.“ Stimmt.

Immer wieder große Faszination löst auch unser Rattenvideo aus. Leider – oder auch glücklicherweise – liegt noch immer so viel Schnee und ist es noch immer so kalt, dass die vom Restaurant entsorgten Speisereste in den Tonnen auf dem Hof nicht den bestialischen Gestank verbreiteten, wie es im Sommer der Fall ist. Dafür konnten die beiden Journalistinnen der CBC besichtigen, wie die Hausverwaltung Secura ein Haus planmäßig durch Nichtstun verkommen lässt. Im Augenblick gibt es z.B. einen dicken Eispanzer vor unserem Hauseingang, auf dem nicht mal mehr gestreut wird. Und auch der Hofdurchgang ist eine einzige Eisbahn.

Das erste Urteil – der erste Erfolg

Das Amtsgericht Mitte hat gesprochen – und zwar für die Bewohner. In einem der Prozesse im Haus ist nun ein schnelles Urteil gefällt worden: Der Finanzinvestor Larchmont bzw. seine Verwalterin, die Secura Grundstücksverwaltung, dürfen an einer Wohnung im Vorderhaus keinen Balkon anbauen und entsprechend keine exorbitante Mietsteigerung veranschlagen.

Die Anwälte des Luxemburger Immobilien- und Finanzspekulanten konnten nicht nachweisen, dass der Balkon den Wohnwert der Wohnung steigern würde. Kein Wunder: Im Vorderhaus sollen die bereits existierenden französischen Balkons durch winzige Austritte ersetzt werden. Abgesehen davon, dass sie selbst für zwei Personen auf einmal zu klein wären, befindet sich direkt unter dem angedrohten Balkon ein Restaurant, das in den Sommermonaten unzählige Tische bis in die Nacht herausstellt, und die benachbarte viel befahrene Danziger Straße sorgt dank Straßenbahn und Autos dafür, dass unser Haus laut Lärmatlas des Senats unter erhöhter Lärmbelastung leidet.

Grund genug, dem Versuch des Immobilienspekulanten Larchmont, durch extreme Mietsteigerungen dank Umlage von Luxussanierungsmaßnahmen ein Haus zu entmieten und aufzuwerten, einen Riegel vorzuschieben. Der Auftritt von Hausverwaltung und Eigentümer nach Art eines Rollkommandos und die totale Verweigerung von Kommunikation und Kompromissen dürften auch eine Rolle gespielt haben.

Juten Rutsch!

Das es im März nochmal schneien wird haben wir uns natürlich alle nicht gewünscht, aber wenn man den Wetterbericht sporadisch verfolgt, war klar, dass es schneien wird.

Bereits im Januar hat die Hausverwaltung erst nach mehreren Tagen begonnen die nicht gestreuten Flächen mit Sand/Kies zu sichern.

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Bilder vom Eingangsbereich und der Eingang zum Seitenflügel am 21.01.2013

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“gestreuter” Eingangsbereich am 29.01.2012

Der aktuelle Rekord von 3 Tagen (erste Aufnahme sind vom 11.03.) wird wahrscheinlich durch das aktuelle Tauwetter und nicht durch den Winterdienst beendet.

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Einbruch

Auch am Haus Kollwitzstraße 100 gehen wohl die üblichen Begleiterscheinungen einer Luxusmodernisierung nicht vorüber. Am Abend des 2. Januar gab es einen Kellereinbruch, bei dem ein Fahrrad gestohlen wurde, der wertvollste Gegenstand im Hauskeller. Bis auf ein nicht mehr vorhandenes Vorhängeschloss sind keinerlei Einbruchsspuren vorhanden, obwohl die Tür zum Keller garantiert doppelt verschlossen war. Die Diebe mussten also in der Lage sein, die Tür sauber zu öffnen, oder sie hatten gleich einen Schlüssel… Wohlgemerkt ein Sicherheitsschlüssel, der sich nicht ohne Weiteres nachmachen lässt.

Ob weitere übliche Begleitungen einer Entmietung eintreten, etwa Brandstiftung, bleibt abzuwarten.

Die Preise purzeln

Winterschlussverkauf bei den beiden “luxus”-sanierten Kleinstwohnungen im Seitenflügel. Vielleicht hat aber auch einfach jemand die Immobilienblase zu groß aufgeblasen: Was vor ein paar Tagen noch 572 Euro Kaltmiete für 38 Quadratmeter gekostet hat, ist jetzt schon für schlappe 520 zu haben. Also Wohnungssuchende, aufgepasst: Wer unbedingt eine Wohnung mit 2,50 Meter Deckenhöhe, Ratten auf dem Hof, verrottetem Keller, ordentlich Müllgestank und Fliegen haben möchte, dort, wo es die Makler “Szenebezirk” nennen, und nicht ganz blöd ist, sollte noch ein paar Wochen warten. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist wahnsinnig, aber offenbar nicht wahnsinnig genug, um noch die letzte Gier zu befriedigen.

Makler werben um die Kollwitzstraße 100

So viele Makler stürzen sich auf zwei überteuerte Kleinstwohnungen im Haus. Der Konkurrenzkampf bringt so einiges Fantasievolles hervor: Da wird aus einer einfachen Dusche mal schnell ein Wannenbad und auch die tatsächliche Fläche von ca. 38 Quadratmetern vergrößert sich von Makler zu Makler immer mehr. Hier die Beispiele:

Eine “Einzimmrige” inseriert Maklerin Natalia Perazic. Aus 38 Quadratmetern wurden gleichmal 40 und dafür steigt die Miete auch entsprechend: Jetzt schon 677 Euro warm. Dafür macht sie aus den einfachen Nachkriegs-Holzdecken einen “stuck Altbau” (sic) und aus der primitiven Duschtasse ohne Kabine ein “geflietses Wannenbad” (sic). Mehr hier.

Dieselbe Wohnung gibts bei Herrn Manfred Protz für ganze acht Euro weniger. Dafür ist sie jetzt aber auch fast 1,5 Quadratmeter kleiner. Herr Protz macht aber auch aus der primitiven Dusche ein schickes Wannenbad. Außerdem sollen auf den 38 oder 40 oder wieviel auch immer Quadratmetern jetzt “moderne Familien, die in einer Gegend mit viel Grün, einem vielfältigen Kulturangebot und ausgefallenen Geschäften leben möchten.” Mehr hier.

Beide Makler vermieten beide Wohnungen. Es kommt nun auf den Kunden an: Frau Perazic macht die Wohnung noch etwas größer, nimmt aber auch acht Euro mehr. Angesichts des angepeilten Quadratmeterpreises von normalerweise 15 Euro vielleicht das attraktivere Angebot. Herr Protz hingegen ist mit 668 Euro für 38 Quadratmeter noch immer der Schnäppchenkönig. Entscheiden Sie selbst!

Rattenplage inklusive

Diese Mitbewohner gibt es in der Kollwitzstraße 100 inklusive. Für 15 Euro nettokalt pro Quadratmeter kann man das erwarten. Von den neu fertiggestellten Wohnungen hat man in etwa diesen Blick. Haustiere nach wie vor nach Vereinbarung!

Ratten machen übrigens Geräusche. Also Ton an! Kann man auch jede Nacht live hören, also schnell einen Besichtigungstermin mit dem Makler gemacht!